Gewölbe am Alten Hafen in Wismar

Wismar: Hansestadt mit mittelalterlichem Flair

Ein eindrucksvoller Besuch in Wismar, der zweitgrößten Hafenstadt in Mecklenburg-Vorpommern, die mit ihrer wunderschön sanierten Altstadt begeistert.

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Anfang November haben der Göttergatte, Mops Herrmann und ich einen Kurzurlaub in Wismar verbracht. Während meine beiden Männer sich allein der Schönheit der Stadt und dem meist sehr guten Essen (mehr dazu am Ende des Textes) widmen konnten, war ich nicht nur zur Erholung da. Vielmehr habe ich für einen Roman recherchiert, der im mittelalterlichen Wismar spielt. Der Aufenthalt war wunderbar und hat sich absolut gelohnt. Und auch, wenn ihr nicht gerade in Sachen Mittelalter recherchiert, kann ich euch einen Besuch der Hansestadt wärmstens empfehlen.

Mittelalterliche Hansestadt

Wismar ist nach Rostock die zweitgrößte Hafenstadt Mecklenburg-Vorpommerns und lockt mit einer beeindruckenden Altstadt, die seit 2002 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Schon der erste Spaziergang durch Wismar hat mich begeistert. In der historischen Altstadt kann man noch sehr gut die mittelalterliche Hansestadt erkennen. Wunderbar, wie liebevoll und vorsichtig hier saniert wurde. Wismar hat sehr viele schöne Häuser zu bieten.

Hervorzuheben ist, dass Wismars Kern seinen städtebaulichen Grundriss mit Straßen- und Platzräumen, Parzellen- und Quartiersstrukturen nahezu unverändert bewahren konnte – dazu gehört auch der Alten Hafen.

Zum Alten Hafen führen einige Wege. Einer davon führt an der sogenannten „Grube“ entlang – ein künstlich angelegter mittelalterlicher Wasserlauf, der zum Hafen fließt und der letzte seiner Art in einer norddeutschen Altstadt ist.

Die Grube wird in Fließrichtung in die Abschnitte Mühlengrube, Frische Grube und Runde Grube unterteilt. Letztere fließt unter einem roten, windschiefen Fachwerkhaus in die Ostsee hinein.

Dieses Fachwerkhaus, das ihr in unmittelbarer Nähe des Alten Hafens findet, wurde Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet. Das denkmalgeschützte Haus trägt den Namen „Gewölbe“ (siehe auch Titelbild).

Übernachtung im Fründts Hotel

Unser Zimmer auf Zeit haben wir im Fründts Hotel gebucht. Zunächst nur für zwei Nächte haben wir auf insgesamt vier Nächte verlängert. Das spricht sowohl für Wismar als auch für das Hotel. Zentral gegenüber des stadtgeschichtlichen Museums im Schabbell-Haus gelegen (und einen Besuch wert, dazu aber später mehr), existiert dieses Hotel schon über 100 Jahre.

Wir haben in einem sehr geräumigen Komfortzimmer geschlafen, das zusätzlich mit zwei Sesseln und einem kleinen Tisch ausgestattet war. Auch das Badezimmer war angenehm groß.

Das Fründts Hotel verfügt über einen Innenhof mit schöner Terrasse, der in den hauseigenen und günstigen (4 €/Tag) Parkplatz übergeht.

Das Komfortzimmer hat 85 € pro Nacht gekostet, allerdings ohne Frühstück. Da Hunde im Frühstücksraum nicht erlaubt sind und Mops Herrmann weint, wenn man ihn alleine im Zimmer lässt, haben wir kein Frühstück gebucht. Daher kann ich zur Qualität des Frühstücks leider nichts sagen. Für alle, die auch mit Hund reisen und ihn ungern alleine lassen, kann ich aber sagen, dass das kein großes Problem ist, da es einige Bäckereien, Backshops und Cafés im nahen Umfeld gibt. Zu Dritt sind wir morgens also zum wenige hundert Meter entfernten Marktplatz gegangen und haben bei einer Bäckerei vor Ort gegessen.

Tipp: In der Bäckerei Junge bekommt ihr sehr leckere belegte Brötchen und Brote. In der Woche war die Schlange allerdings sehr lang. Weitere Bäckereien und Backshops findet ihr fußläufig.

Das Fründts Hotel kann ich euch besonders empfehlen, wenn ihr Wismar gern zu Fuß erkunden wollt. Touristische Ziele wie der Hafen, der große Marktplatz, die tollen Kirchen, die Einkaufsstraße etc. sind alle fußläufig erreichbar.

Schabbell – ein sehenswertes Museum

Um vor allem das mittelalterliche Wismar kennenzulernen, habe ich an einem Nachmittag das Schabbell-Haus besucht. Errichtet wurde das Haus 1569 als Brauhaus von Heinrich Schabbell, der sowohl Brauer als auch Ratsherr und später Bürgermeister (ab 1579) in Wismar war. Bis ins 20. Jahrhundert wurde es als Brauhaus genutzt, seit 1934 ist es ein Museum.

Museum Schabbell in Wismar
Schabbell – das stadtgeschichtliche Museum in Wismar

Das Museum zeigt die 800-jährige Geschichte der Hansestadt und ist als Rundgang konzipiert. Von der Stadtgründung im frühen 13. Jahrhundert bis zur friedlichen Revolution 1989/1990 könnt ihr Alltägliches und Besonderes sehen. Auch Anfassen und Ausprobieren ist teilweise erlaubt, was sicherlich Familien mit (kleinen) Kindern interessiert – wobei ich auch einige Stücke angefasst habe. 🙂

Museum Schabbell in Wismar

Stadtgeschichtliches Museum der Hansestadt Wismar im Schabbell

Schweinsbrücke 6/8, 23966 Wismar
Telefon: 03841 2522870
Webseite des Museums (als Teil der offiziellen Wismar-Seite)

Juli bis August, täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr

September bis Oktober, dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr

November bis Februar, mittwochs bis sonntags von 10 Uhr bis 16 Uhr

März bis Juni, dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr

regulär 6,00 € / ermäßigt 4,00 €

Weitere Preise, z. B. für Gruppen und Führungen, könnt ihr auf der Webseite finden.

(Stand: November 2022)

Das Museum ist nahezu barrierefrei. Es gibt Rampen sowie einen Aufzug.

Die Texte an den Ausstellungsstücken sind zweisprachig (deutsch/englisch).

Es stehen Audioguides (deutsch/englisch) sowie Audioguide-Führungen mit Audiodeskription für Menschen mit Seheinschränkungen und in einfacher Sprache zur Verfügung.

Als Tipp kann ich euch mitgeben, dass ihr auf jeden Fall ein wenig Zeit für den Besuch einplanen solltet. Ich habe mich alleine im Mittelalterbereich über eine Stunde aufgehalten und hatte danach für die anderen Räume nicht mehr all zu viel Zeit, da das Museum im November bereits um 16 Uhr schließt. Ich bin um kurz nach 14 Uhr ins Museum gekommen und habe zuletzt doch einiges im Schnelldurchlauf angesehen. Aber vielleicht interessiert ihr euch eh für eine spezielle Ära?

Collage Schabbell in Wismar

Ich kann das Schabbell-Museum wirklich sehr empfehlen. Es ist liebevoll gestaltet und mit vielen tollen Exponaten ausgestattet. Mich hat es begeistert und ich konnte einiges mitnehmen – damit meine ich Wissen und keine Dinge. 😉

Apropos Museum: Sehr gefallen hat mir auch die Ausstellung im Welt-Erbe-Haus, in der ich weitere Einblicke in die Geschichte Wismars bekommen habe. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Das Welt-Erbe-Haus findet ihr neben der Tourist-Information in der Lübsche Straße 23. Sowohl die Mitarbeiterin im Welt-Erbe-Haus als auch in der Tourist-Information waren sehr freundlich und haben mir sehr sympathisch Auskunft gegeben. Vielen Dank dafür.

Störtebeker, Nosferatu und Wismarer Wahrzeichen

Wismar bietet so viel. Am besten ihr geht einfach mit offenen Augen durch die Stadt. Wir haben uns das Haus angesehen, in dem Klaus Störtebeker (angeblich) geboren wurde und das mit einem interessanten Relief ausgestattet wurde. Die Haustür fand ich dann aber doch hübscher.

Auch an der Heiligen-Geist-Kirche sowie dem dazugehörigen Innenhof haben wir Halt gemacht. Hier wurden 1921 Szenen für den Spielfilm Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (Regie: Friedrich Wilhelm Murnau) gedreht. Die Premiere des Films fand im darauffolgenden Jahr statt, weshalb Wismar aktuell (also 2022) 100 Jahre Nosferatu feiert.

Auf Nosferatu stößt man deshalb auch an einigen anderen Ecken in Wismar – hier solltet ihr auch mal auf den Boden gucken, da an den Drehorten Gedenktafeln in das Kopfsteinpflaster eingelassen wurden. Das Wassertor (siehe Galerie oben) war ebenso im Film zu sehen wie die Wasserkunst (ebenfalls in der Galerie zu sehen) auf dem Marktplatz in Wismar. Die Wasserkunst – das pavillonartige Gebäude – wurde von 1579 bis 1602 erbaut und diente der Trinkwasserversorgung der Stadt. Das Gebäude gilt als Wahrzeichen der Stadt.

SOKO in der Bibliothek

Ein nicht alltägliches Erlebnis hatten wir übrigens, als wir auf dem Weg zum Zeughaus waren, in dem sich die Stadtbibliothek Wismar befindet. Wir sind nämlich beinahe in die Dreharbeiten von Soko Wismar gestolpert. Eigentlich wollte ich in der Bibliothek noch ein wenig recherchieren, ein grimmig blickender Mann wies mich aber auf die Dreharbeiten hin. Ich hoffe, es sind keine Bücher zu schaden gekommen!
Bisher habe ich kein Film dieser Krimi-Reihe gesehen, vielleicht sollte ich das mal ändern?

Restaurants in Wismar

Nachdem wir den ganzen Tag durch Wismar gelaufen sind (jeden Tag um die 10 km), mussten wir uns abends natürlich stärken. Da unser Hotel kein Restaurant hat, sind wir zum Abendessen in eines der unzähligen Restaurants der Stadt eingekehrt. Da wir tagsüber eh an diesen vorbeigekommen sind, konnten wir auch vorher nachfragen, ob Mops Herrmann mitkommen darf – er durfte immer.

Meine Restaurant-Empfehlungen sind natürlich subjektiv, nennen möchte ich sie trotzdem. Bis auf ein Restaurant konnten uns alle begeistern.

  • Sehr gut gegessen haben wir im Il Casale, einem italienischen Restaurant im Alten Zollhaus am Alten Hafen, in dem die Pizza aus dem Steinofen kommt. Diese und die Pasta mit Steinpilzen waren großartig. Am Freitagabend war es allerdings sehr voll. Wir bekamen mit kurzer Wartezeit zwar noch einen Tisch, es empfiehlt sich allerdings eine Reservierung.
  • Tolles rustikal-deftiges Essen (wir hatten in Bier geschmortes Rindfleisch) gibt es im Brauhaus am Lohberg. Grandios war auch der Dessert Burger (unbedingt probieren!). Die Wismarer Mumme – während der Wismarer Hansezeit war dieses untergärige Vollbier der Exportschlager – gehört natürlich zu einem deftigen Essen dazu und ist ebenfalls zu empfehlen.
  • Ein delikates hausgemachtes Tiramisu sowie sehr gutes Bruschetta könnt ihr im Steaks & More (ich verlinke auf die Facebook-Seite, da es keine „normale“ Website gibt) bekommen.
  • Leider nicht zu empfehlen war das Essen im Joseph Wiener Wirtshaus. Hier wird das Kochen mit frischen Zutaten aus der Region beworben, es fehlte aber an Gewürzen. Sowohl die faschierten Laibchen (Frikadellen) als auch die Kräuterseitlinge schmeckten einfach nur fad. Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat hier gar nicht gestimmt.

Das Ambiente hat uns in allen Lokalitäten sehr gefallen. Auch die Servicekräfte waren überall sehr freundlich und zuvorkommend. Bis auf den Italiener waren alle Restaurants mäßig besucht, was wohl aber daran lag, dass wir in den anderen Restaurants unter der Woche und nicht am Freitag-/Samstagabend waren.


Natürlich habe ich auch jede Menge Fotos gemacht. Da es zu viele für diesen Beitrag sind, werde ich in ein paar Tagen eine spezielle Wismar-Galerie veröffentlichen. (Link folgt)

Marie

Kommt mit mir in die schönsten, spannendsten und interessantesten Ecken von Mecklenburg-Vorpommern.

2 Comments

  1. Mit deinem Beitrag hast du mich neugierig gemacht, Wismar selbst einmal zu erkunden. Das Gewölbe sieht toll aus, man hat beim Anschauen nur ein bisschen das Gefühl, es könnte gleich ins Wasser fallen …
    Mecklenburg-Vorpommern ist wirklich sooo schön! Wir waren im Oktober für ein langes Wochenende mit einer Gruppe von Freunden dort in Wooster Teerofen bei Familie Thamm zu Besuch. Sie vermietet wunderschön gelegene liebevoll renovierte Bungalows und wir haben es genossen, in den schönen Wäldern dort spazieren zu gehen und ein paar der Seen zu umrunden.
    Du recherchierst für einen Roman? Das finde ich spannend! Sag Bescheid, wenn er veröffentlicht wird – ich lese gerne historische Romane.
    Liebe Grüße
    Susanna

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